Orpheus und Eurydike | Frühsommer 2018

 

du füllst mich an wie Blut die frische Wunde

 

Ein Paar, gespielt von Tamara Stern und Heinz Weixelbraun,  verfällt dem Mythos immer mehr und wird eins mit den legendären Figuren.

Der Mythos von Orpheus und Eurydike beschäftigt Regisseur Gerhard Fresacher nun schon seit längerer Zeit. Nach Ausstellungen zum Thema bringt er den Mythos nun in Form einer Spurensuche auf die Bühne.  Das Paar wird immer neugieriger, verfällt mehr und mehr der Geschichte von Orpheus und Eurydike, bis sie sich total mit den mythischen Gestalten identifizieren und eins mit ihnen werden. Sie pendeln zwischen Realität und Fantasie, landen schlussendlich in der Unterwelt.

 

Kritik von Karin Waldner-Petutschnig

“Jetzt hast du dich umgedreht”/ 
Vom Kampf mit dem Dämon/ 
Psychokrieg mit Muse/ 

 

Multimediale Theater-Performance: Gerhard Fresacher zeigt seinen Orpheus-und-Eurydike-Mythos

 

 
“Orpheus und Eurydike” – der Mythos auf eine heutige Künstlerbeziehung umgedichtet führt buchstäblich in Abgründe: Wie “sie” sich die Beziehung einverleibt, in sich hineinstopft, um sich dann wieder zu erbrechen; wie “er” zwischen Hochsprache und Dialekt mit seiner Kunst hadert; wie sich die Hassliebe zwischen ihm und ihr, seinem Dämon, im gegenseitigen Verächtlich-Machen erschöpft und immer wieder auflebt – das ist der Psychokrieg, den die jüngste Theater-Performance von Regisseur Gerhard Fresacher vom Verein “dark city” im Klagenfurter Raum 8 in Szene setzte.

Wie er das macht, ist assoziativ, spontan, mit stimmiger Live-Musik (von “Colours of monochrome”, Sänger Martin Dean und Trompeter Richie Klammer). Auch Video-Einspielungen, Nebelmaschine und ein Publikum, das von der Unterwelt des Kellers in  das einstige Geschäftslokal mit großer Fensterfront geleitet wird, darf nicht fehlen an diesem heißen Sommerabend. Das großartige Darsteller-Duo Heinz Weixelbraun und Tamara Stern (noch von “Hemma – eine Gottesweibspassion” von Franzobel im Gurker Dom in guter Erinnerung) verkörpern exzessiv, rührend und mit vollem Körpereinsatz das in Abhängigkeit voneinander verstrickte Paar: “Jetzt hast du dich umgedreht, und jetzt bin ich weg. Aber ich komme wieder.” Mit einer Textcollage von Jonathan Meese bis Arthur Rimbaud wird ein Spannungsfeld zwischen bildender und darstellender Kunst eröffnet, das typisch für die Arbeit des Kärntner Regisseurs und Bühnenbildners ist. Wo auch immer diese Produktion das nächste Mal aufgeführt wird – ihr nachzureisen (ev. nach Wien) ist dringend empfohlen! KP